Eine wahre Geschichte

Freies Schreiben ist ein wichtiges Angebot im Deutschunterricht an der Klinikschule - warum es Schreibende wie Lesende glücklich machen kann, zeigt die nachfolgende Geschichte von Chiara, in der sie eigentlich die Hauptperson ist, das Geschehen aber aus der Perspektive eines kleinen Vierbeiners auf Samtpfoten beschreibt, dessen Schicksal einen nicht unberührt lässt:

Von der Straße in ein sicheres Zuhause

Eine wahre Geschichte.
Geschrieben von Chiara im November/Dezember 2024.


 
Ich bin Billy, ein siebenjähriger Kater. Ich bin etwas größer als normale Katzen. Mein Fell ist weiß mit braunen Stellen; auf dem Kopf habe ich ein schönes Muster. Mein Schwanz hat die Farbe Schwarz und ist getigert. Mein Fell ist flauschig und etwas länger als bei meinen Katzenfreunden. Meine Augen haben die Farbe Gelb.

So viel jetzt einmal zu mir.

Ich glaube, ihr könnte euch jetzt ungefähr vorstellen, wie ich aussehe.

Jetzt erzähle ich euch meine Geschichte. Ich hatte nicht von Anfang an ein sicheres Zuhause, wo ich geliebt werde und man sich um mich kümmert. Ich bin in der Türkei als Straßenkatze zur Welt gekommen. Meine Mama habe ich relativ früh verloren; ich musste früh lernen, alleine klarzukommen.

Dabei war ich noch ein Kitten und viel zu schwach, um alleine draußen zurecht zu kommen, trotzdem habe ich mich durchgekämpft und irgendwie versucht zu überleben. Ich war schwächer als dir anderen Katzen und hatte keine Chance gegen sie. Ich hatte jeden Tag neue Wunden an meinem Körper, weil die anderen Katzen dauernd auf mich losgegangen sind. Ich war dünn, und wenn ich Glück hatte, haben mich nette Leute gefüttert und sich um mich gekümmert.

Der Nachteil daran war, dass diese netten Leute mich dauernd auf den Arm genommen haben und ich keine Kraft hatte, mich zu wehren, wenn ich das nicht wollte. Deswegen mag ich es heute nicht mehr, wenn mich Fremde auf den Arm nehmen oder mit mir kuscheln wollen. Ich mag es nur, von meinen Besitzern gekuschelt zu werden und genieße die ganze Aufmerksamkeit, die ich von ihnen bekomme.

Wie ihr ja gehört habt, habe ich ein sicheres Zuhause gefunden, wo ich glücklich bin, essen kann, wenn ich Hunger habe und ganz viel Liebe bekomme. Nicht zu vergessen meine vier Katzenfreunde, die mit mir zusammenleben: Ich liebe es, mit ihnen zu spielen und mich um sie zu kümmern.

Wie aber bin ich zu meiner Familie gekommen?

Meine Familie hat 2017 Urlaub in der Türkei gemacht; das Mädchen hat mich gefunden und meine Not gesehen. Sie hat mir Essen und Trinken gegeben und ganz viel Liebe. Sie kam jeden Tag zu mir für mehrere Stunden. Wir haben ganz viel gekuschelt; bei ihr konnte ich ganz sicher schlafen, ohne Angst haben zu müssen. Sie war ja nur zum Urlaub Machen hier. 

Der letzte Tag vom Urlaub des Mädchens war gekommen. Sie kam das letzte Mal zu mir. Als ich sie sah, wollte ich direkt zu ihr rennen, aber ich konnte nicht, mein Fuß war verletzt, ich konnte nicht auftreten und noch dazu blutete ich am Kinn. Als das Mädchen das sah, rannte es zu seiner Mutter und holte sie dazu. Sie guckte es sich kurz an und ihr war auch schnell klar, dass ich Hilfe brauchte. Ich bewegte mich fast gar nicht mehr, ich hatte einfach keine Kraft mehr. Ich war wie tot.

Sie informierten sich, was sie tun könnten und wo es einen Tierarzt gab. Sie fanden einen Tierschutzverein, der verletzten Tieren half und sie kastrierte.

Ein paar Stunden später kam der Tierarzt zu mir. Ich lag im Hotel auf einem Stuhl bei dem Mädchen und der Mutter. Der Tierarzt hob mich hoch und dachte, ich sei schon verstorben, aber ich hatte keine Kraft mehr, mich zu bewegen oder zu wehren. Mir war alles egal. Ich wurde vom Tierarzt mitgenommen und untersucht. Ich hatte Angst und wusste nicht, ob ich das Mädchen je wiedersehen würde. Aber sie versuchten alles, um mich zu retten und mir ein Zuhause zu schenken, wo ich sicher sein konnte. Das war aber nicht so leicht; meine Family lebte in Deutschland und ich in der Türkei. Ich musste gesund, geimpft und kastriert sein, um nach Deutschland einreisen zu dürfen; das hat seine Zeit gebraucht.

Ich kam in eine Katzenauffangstation mit vielen anderen Katzen. Ich wurde kastriert, geimpft und geschippt und hatte damit alles, was ich brauchte, um nach Deutschland einreisen zu dürfen. Ich war schon seit vier Monaten in der Auffangstation und musste nur noch warten, bis jemand mit mir nach Deutschland flog. 

Nach ein paar Wochen meldete sich jemand, der mich mitnehmen würde. Ich war sehr aufgeregt und hatte Angst. Ich wusste nicht, was passieren würde und wo ich überhaupt hinkommen würde. Ich wurde in einen Raum gestellt – da waren andere Katzen und Hunde in einer Transportbox. Ich bekam Angst und machte in meine Transportbox; es war ein bisschen laut da unten und die Zeit ging einfach nicht rum. Nach drei Stunden tat sich etwas: Ich wurde aus dem Raum geholt und wurde jemandem übergeben. Wir liefen über den ganzen Flughafen und ich miaute ganz laut. Ich wollte nur noch da raus aus dieser kleinen Box. Ein paar Minuten später konnte ich meinen Augen nicht trauen: Da war wieder das Mädchen und ihre Familie. Sie hatten sich sehr auf mich gefreut und mich dann ins Auto gestellt. Das Mädchen redete die ganze Zeit mit mir und sagte „Billy“ zu mir. Später hat sie mir gesagt, dass ich so heiße. Ich wusste gar nicht, dass Tiere Namen bekommen, aber ich freute mich mega. Nach 40 Minuten kamen wir zuhause an. Ich durfte endlich aus der Transportbox raus und erkundete mein neues Zuhause. Alles war sehr neu für mich und ich habe meine Katzenfreunde gesucht, mit denen ich ein paar Monate gelebt hatte, aber sie waren nirgends. Ich lief weiter durch die Wohnung und entdeckte meinen Katzenbaum. Danach legte ich zu meinen Besitzern und wir kuschelten. Nach ein paar Monaten bekam ich einen Katzenfreund, er war noch sehr klein. Er bekam den Namen Simba. Er war braun getigert. Ich spielte mit ihm, putze ihn – und was soll man sagen: Jetzt, sieben Jahre später, habe ich weitere vier Katzenfreunde bekommen. Sie kamen alle über die Jahre nacheinander zu uns.

Meine Katzenfreunde heißen: Bella, Bailey, Nala und Simba, über den ich bereits geschrieben habe. Wir leben schon sehr lange Zeit zusammen, haben einen riesigen Katzenbaum und noch zwei andere und ganz viele coole Liegeflächen.

Ich hoffe, dass ich noch viele viele Jahre haben werde mit meinen Freunden.